Das Archiv im Obergeschoss unseres historischen Rathauses ist weit mehr als eine geordnete Sammlung alter Papiere – es ist das lebendige Gedächtnis, die Chronik und die Schatzkammer Lambsheims. Hier werden die Geschichten, Einzelschicksale, Urkunden und Meilensteine aus über 1300 Jahren Ortsgeschichte bewahrt, erforscht und für die nachfolgenden Generationen lebendig gehalten.
Die Entstehung unseres Archivs: Vom Keller zur Schatzkammer
Die systematische Erfassung unserer reichhaltigen Geschichte begann im Jahr 1983. Damals regte der weit über die Grenzen Lambsheims hinaus bekannte Heimatforscher Heinrich Rembe an, die im Keller des neuen Rathauses (der Verbandsgemeindeverwaltung) gelagerten, historischen Dokumente zu sichern und zu ordnen.
Unter der fachkundigen Leitung von Kreisarchivarin Frau Dr. Karin Heitzmann wurden die unschätzbaren Bestände erstmals gesichtet, fachgerecht sortiert und in einem ersten Findbuch erfasst.
- Der Umzug ins historische Zentrum: Um den Dokumenten einen würdigen und sicheren Platz zu geben, zog das Archiv schließlich in das Obergeschoss des historischen Rathauses in der Hauptstraße 35 um.
- Kontinuierliche Pflege: Nach dem Abschluss der ersten Erfassung im Jahr 1989 übernahm Lehrer Kurt Kerschbaumer die ehrenamtliche Betreuung der Bestände. Heute wird diese wichtige Arbeit von unserer Archivpflegerin Renate Young mit unermüdlichem Einsatz und großer Leidenschaft fortgeführt.
| |
![]() | ![]() |
| |
![]() | ![]() |
Schätze im Archiv: Was unsere Dokumente erzählen
Hinter den Kulissen des Archivs lagern hunderte Originaldokumente, welche die Entwicklung Lambsheims lückenlos nachzeichnen. Sie überstanden Kriege, Plünderungen und den Wandel der Zeit. Zu den wertvollsten Schätzen gehören:
- Historische Ratsprotokolle: Die lückenlos erhaltenen Ratsprotokolle der Gemeinde reichen zurück bis in das Jahr 1698. Sie bieten einen faszinierenden Einblick in die Sorgen, Beschlüsse und das alltägliche Leben der Lambsheimer Bürger und des Gemeinderats über Jahrhunderte hinweg.
- Alte Gemeinderechnungen: Unsere Rechnungsbücher und Kassenbelege sind ab dem Jahr 1723 erhalten. Sie dokumentieren genau, wofür die Gemeinde ihr Geld ausgab – vom Bau historischer Gebäude bis hin zu den Kosten für Brücken, Wege und Feste.
- Kataster- und Feldgeschworenen-Bücher: Diese jahrhundertealten Register zeigen die genaue Aufteilung der Lambsheimer Gemarkung, die Besitzverhältnisse der Höfe und die Grenzen der historischen Gewanne.

Zeitreise im ehemaligen Klassenzimmer: Der „Alte Schulsaal“
Ein ganz besonderes Highlight unseres Archivs befindet sich in den Räumen der historischen Neutorschule: der liebevoll und originalgetreu eingerichtete „Alte Schulsaal“. Er dokumentiert eindrucksvoll den Schulalltag, wie ihn unsere Urgroßeltern und Großeltern noch erlebt haben.
Der Raum schaft eine spürbare Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Zu den sorgsam zusammengetragenen Ausstellungsstücken gehören:
- Historisches Klassenzimmer-Mobiliar: Schwere Holztische und enge, harte Holzbänke mit klappbaren Sitzen. Sie zeigen eindrucksvoll, dass Ergonomie im damaligen Schulalltag noch keine Rolle spielte. In den Tischen befinden sich noch die originalen, fest eingelassenen Tintengläser.
- Schreib- und Rechenutensilien: Auf den Plätzen liegen kleine Schiefertafeln bereit, auf denen die Schülerinnen und Schüler früher mühsam mit kratzenden Griffeln schrieben und rechneten. Zum Aufbewahren diente die oft von den Kindern selbst bunt bemalt oder verzierte hölzerne Griffelbox. Als gemeinsame Rechenhilfe steht ein großer, hölzerner Abakus im Raum.
- Der Ernst des Schulalltags: Die große Wandtafel aus Schiefer samt Schwamm beherrscht die Stirnseite des Raumes. Direkt daneben steht – als Zeugnis einer glücklicherweise vergangenen Epoche der Pädagogik – der Rohrstock parat.
Erlebte Geschichte für die Lambsheimer Jugend
Der Alte Schulsaal ist kein reines Museum zum Anschauen, sondern ein Ort des Ausprobierens und Mitmachens. Besucherinnen und Besucher dürfen hier selbst aktiv werden: Mit echter Tinte und Feder kann die alte deutsche Schreibschrift „Sütterlin“ (die ab 1911 in den Schulen eingeführt wurde) ausprobiert werden – eine Aufgabe, die von den Gästen mit großer Leidenschaft und Konzentration umgesetzt wird.
Dieses Angebot ist fest im Lambsheimer Dorfleben verankert: Jedes Jahr besuchen die Drittklässler der Karl-Wendel-Schule das Archiv. Begleitet von spannenden Anekdoten, Geschichten und historischen Fakten tauchen die Kinder tief in die Schulzeit von vor über einhundert Jahren ein.
Forschung, Wissenschaft & Anmeldung
Sie schreiben eine wissenschaftliche Arbeit, erforschen die Regionalgeschichte der Pfalz oder betreiben Ahnenforschung zu Ihren eigenen Lambsheimer Vorfahren? Das Archiv der Ortsgemeinde steht für wissenschaftliche sowie berechtigte private Forschungszwecke nach vorheriger Absprache offen.
Da viele der historischen Dokumente hochempfindlich sind, die Archivräume nicht durchgehend besetzt sind und wir uns Zeit für Ihr Anliegen nehmen möchten, ist eine frühzeitige Anmeldung zwingend erforderlich.
- Fachliche Anfragen & Ahnenforschung: Für alle historischen Fragestellungen und zur Abstimmung von Forschungsterminen im Archiv steht Ihnen unsere Archivpflegerin Renate Young gerne zur Verfügung.
- Buchung von Führungen: Sie möchten den „Alten Schulsaal“ oder das „Museum historisches Rathaus“ im Rahmen einer Gruppenführung oder mit einer Schulklasse erleben? Führungen und Termine können direkt mit Herrn Knoll abgestimmt werden.
Die genauen Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Sprechzeiten für Ihre Buchung oder Anfrage finden Sie übersichtlich auf unserer Service-Seite:




